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Fragen rund um das Thema IFlaS und berufsanschlussfähige Teilqualifikationen


Was sind Teilqualifikationen oder sogenannte „berufsanschlussfähige Teilqualifikationen“ im Rahmen des IFlaS ?

„Teilqualifikationen sind einheitlich strukturierte Einheiten [berufsbezogene Abschlüsse], die unterhalb des Facharbeiterbriefs zu standardisierten Zertifikaten führen; sie sind an typischen betrieblichen Arbeits- und Geschäftsprozessen ausgerichtet.“ Geregelte Ausbildungsberufe bilden den Referenzrahmen für Teilqualifikationen. Die Teilqualifikationen müssen in der Summe alle Positionen eines Berufsbildes abdecken; die jeweiligen Ausbildungsordnungen, Ausbildungsrahmenpläne und Rahmenlehrpläne der Berufsschulen sind zu berücksichtigen.


Was bedeutet IFlaS?

IFlas ist die Abkürzung für Initiative zur Flankierung des Strukturwandels, eine Namenskreation a la Bundesagentur für Arbeit. Dahinter stehen Fördermittel, welche für die Durchführung solcher Bildungsmaßnahmen bereitgestellt werden. Im Vordergrund der Initiative steht die Arbeitsmarktbefähigung der Teilnehmer. Langfristiges Ziel ist die Erreichung eines Berufsabschlusses über die IHK-Externenprüfung nach dem Berufsbildungsgesetz. Zunächst stellt aber schon jede einzelne Teilqualifikation (Teilabschluss) eine verwendbare Qualifizierung für den Arbeitsmarkt dar.


Warum gibt es Teilqualifikationen?

Der Mangel an Fachkräften ist bereits in einigen Regionen und Branchen deutlich spürbar und wird sich durch die demografische Entwicklung verschärfen. Deshalb müssen Potenziale besser genutzt werden, die bisher nicht im Fokus standen. Hierzu zählen die 1,5 Mio. junge Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss oder Frauen, die nach einer längeren beruflichen Pause wieder in das Arbeitsleben einsteigen möchten. Zur passgenauen Qualifizierung dieser Zielgruppen müssen neue Wege beschritten werden.


Welche Zielgruppe wird mit der Teilqualifikation angesprochen?

  • meist über 25-jährige, für die eine traditionelle Berufsausbildung nicht mehr zielführend ist, z.B. junge Erwachsene ohne Berufsabschluss,
  • Berufsrückkehrer mit nicht mehr aktueller beruflicher Qualifikation nach der Familienpause,
  • ältere Beschäftigte ohne Ausbildung oder mit einer beruflichen Qualifikation, die ebenfalls so lange zurückliegt, dass sie als Basis für die Beschäftigungsfähigkeit nicht mehr ausreicht.


Für welche Berufe gibt es schon die Teilqualifikationen?

Zum Beispiel für Berufskraftfahrer/in. Hier ist die Ausbildung in sechs kleinere Abschnitte unterteilt. Addiert man alle einzelnen Teile, so erhält man eine Gesamtausbildungsdauer von zwei Jahren. Dies entspricht von der Länge her genau einer typischen Umschulungsmaßnahme der Arbeitsagentur, welche grundsätzlich um 1/3 gegenüber der regulären Ausbildungsdauer verkürzt sein muss, um „Bildungsgutscheinfähig“ zu sein. Es gibt die Teilqualifikationen

  • Güter befördern, 6 Monate (TQ1)
  • Besondere Güter befördern, 2 Monate (TQ2)
  • Personen befördern, 5 Monate (TQ3)
  • spezielle Güter transportieren, 2 Monate (TQ4)
  • Kraftomnibusse im Linienverkehr führen, 2 Monate (TQ5)
  • Transportdienstleistungen planen und organisieren, 6 Monate (TQ6)
Weitere Berufe, für die Teilqualifikationen erstellt wurden, sind Maschinen- und Anlagenführer, Fachkraft für Schutz und Sicherheit, Verfahrensmechaniker Kunststoff,…


Welche sind die gemeinsamen Merkmale von Teilqualifikationen?

  • Teilqualifikationen müssen mindestens zwei Monate und dürfen längstens sechs Monate dauern
  • Mindestdauer einer Teilqualifikation: zwei Monate
  • Höchstdauer einer Teilqualifikation: sechs Monate
  • Anzahl der Teilqualifikationen je Beruf: fünf bis acht
  • zeitlicher Gesamtumfang aller Teilqualifikationen orientiert sich an einer Dauer von etwa zwei Dritteln der Erstausbildungszeit
  • Teilqualifikationen müssen obligatorisch betriebliche Praxisphasen enthalten. Der Anteil dieser betrieblichen Praxisphase sollte 25% nicht unterschreiten; Teilqualifikationen sollen einzeln jeweils schon direkt am Arbeitsmarkt verwertbar sein;
  • Jede der Teilqualifikationen schließt mit einer Prüfung, einer sogenannten „Kompetenzfeststellung“ ab (auch dann, wenn eine Teilqualifikation bereits eine vorgeschriebene Prüfung enthält, wie es beim Fahrerlaubniserwerb in TQ1 der Fall ist)
  • Die Teilnehmenden erhalten aussagefähige notengebende Zeugnisse


Kann ich eine Teilqualifikation selbst entwickeln?

Ja, das geht auch. Und zwar für einen Abschluss, für den noch kein offiziell erstelltes Curriculum existiert. Bei einer selbst entwickelten Teilqualifikation sollte eine Gegenüberstellung der Inhalte aus dem Berufsbild des jeweiligen Ausbildungsberufs mit den Inhalten der Teilqualifikation beigefügt werden. Aus dieser sollte nachvollzogen werden können, dass auch alle Inhalte des Berufsbildes abgedeckt sind. Soweit dies bereits mit der jeweiligen Kammer abgestimmt sein sollte, kann auch eine entsprechende Bestätigung beigefügt werden. Hinweis: Nur geregelte Ausbildungsberufe bilden den Referenzrahmen für Teilqualifikationen. Siehe auch nächste Frage.


Was sind keine berufsanschlussfähigen Teilqualifikationen im BA-Sinn?

  • Qualifzierungsbausteine nach § 69 BBiG
  • Maßnahmen der Anpassungsweiterbildung (z.B. MS-Office/ SAP-Weiterbildungen, CNC-/ CAD-Weiterbildungen, Baumaschinenbedienung, Gabelstaplerausbildung, Betreuungsassistenz/ Betreuungskraft in Pflegeheimen/Pflegehilfskraft Qualitätsmanagement, Erwerb von Berechtigungen wie Führerscheinen, beschleunigter Grundqualifikation, Sachkundeprüfung (IHK) im Bewachungsgewerbe, Schweißscheinen, IHK Fortbildungsprüfungen, usw.)


Was muss ich als Bildungsträger im Vergleich zu einer „normalen“ Maßnahmenzulassung zusätzlich tun, um solche Teilqualifikationen durchzuführen?

Sie müssen…

  • konzeptionell darlegen, dass die TQ-Maßnahme anschlussfähig, ist und den zentralen Festlegungen der Bundesagentur entsprechen (Konzept zur Durchführung erstellen);
  • das Verfahren der seminaristischen Durchführung schlüssig darstellen (dokumentiert), einschließlich der erforderlichen Dokumentationen
  • das Verfahren der berufspraktischen Durchführung schlüssig darstellen (dokumentiert), einschließlich der erforderlichen Dokumentationen
  • Das Verfahren der Kompetenzfeststellung darlegen (dokumentiert)
  • einen Prüfungsausschuss bilden
  • eine individuelle Prüfungsordnung erstellen
  • eine Abschlussprüfung (Kompetenzfeststellung) durchführen einschließlich Benotung
Die oben aufgeführten Punkte zeigen die Eckpunkte, welche zu beachten sind. Tatsächlich gibt es viele Einzelfragen, die zu berücksichtigen sind.


Wie wird die Durchführung der Teilqualifikation überwacht?

Diese wird durch Ihren Zertifizierer überwacht, wenn er zum nächsten Audit bei Ihnen vorbeikommt. Seit Januar 2015 können Bildungsträger nur noch bei ein und derselben Zertifizierungsstelle Maßnahmen- und Trägerzulassung führen, wenn keine zusätzliche Überwachung erfolgen soll. Die Fachkundige Stelle, bei die Maßnahme zugelassen wird, muss sich durch Überwachung von der konformen Durchführung der Maßnahme überzeugen. Hier die Trägerzulassung und dort die Maßnahmenzulassung geht zwar weiterhin, aber es ist ein wenig teurer, weil die Fachkundige Stelle, bei der Maßnahmen zugelassen wurden, diese auch selbst hinsichtlich der ordnungsgemäßen Durchführung überwachen muss. Meist ist dies mit einem Vor-Ort-Audit verbunden. Und das verursacht „Auditorstunden“ und Fahrtkosten.


Muss ich die „Kompetenzfeststellung selbst durchführen“?

Nein. Sie können die Teilqualifikation durchführen und die Prüfung von einer anderen Institution durchführen lassen.


Und wo erhalte ich Unterstützung bei der Konzipierung dieser Maßnahmen, damit diese von einer Fachkundigen Stelle zugelassen werden?

Richtig! Bei Cloodt-Beratung.